Gesundheit ist alles, ohne Gesundheit ist alles nichts

Es freut mich zu sehen, wie viele Menschen sich in unserem Land solidarisch zeigen und einander helfen. Wir alle sind von der Corona-Krise betroffen und nur wir alle können diese Krise gemeinsam bewältigen. Unsere Gesellschaft befindet sich im Umbruch, rasant und ohne Vorwarnung, unsere Gesellschaft wird nach der Corona-Krise eine andere sein – ich hoffe dies sogar. Denn in diesen Tagen wird uns verdeutlicht, worauf es ankommt und auf wen es ankommt, unsere gesellschaftliche Ordnung, unsere Freiheit und den sozialen Zusammenhalt.

Gesundheit ist alles, ohne Gesundheit ist alles nichts. Es gibt nicht genügend Worte, um den vielen Menschen, die in ihrem Beruf aktuell eine umso größere Last für uns alle zu stemmen haben, angemessen Danke zu sagen: An alle Mitarbeitenden in Lebensmittelgeschäften, in Apotheken, Pfleger*innen, Ärzt*innen, Polizist*innen, Feuerwehrfrauen und -männern, diejenigen, die unsere Energie-, Wasser-, Telekommunikationsversorgung aufrechterhalten, die unsere Mobilität sichern, den Journalist*innen, Erzieher*innen, Mitarbeitenden von Verwaltungen auf allen Ebenen und allen daheimgebliebenen Lehrer*innen, Dozenten und Professor*innen, die ihre Lehre von heute auf morgen digital umstellen mussten, ja auch an die Bankangestellten, die das wirtschaftliche Leben am Laufen halten und alle, die für ihren Betrieb unverzichtbar sind – einfach Danke!

Wir werden diese Krise überstehen und wir werden nicht vergessen, dass sie unabdingbare Schlüsselpersonen für unsere Gesellschaft sind! Das muss auch nach der Corona-Krise deutlich werden – im Ansehen, im Lohn, bei den Arbeitsbedingungen.

Vertrauen in den Staat und seine Institutionen

Jetzt ist die Zeit der Exekutive, parteipolitisches Gezänk spielt im Moment keine Rolle. Ich werbe für das Vertrauen in unsere staatlichen Institutionen, in unsere Verwaltungsmitarbeitenden und Krisenstäbe, die aktuell Großartiges leisten. Jetzt ist die Zeit für die notwendigen Entscheidungen zur Bewältigung der Krise, weil sie richtig sind und nicht, weil man dafür Lob erwartet. Doch es bedarf auch einer klaren und unmissverständlichen Kommunikation in Krisenzeiten.

Wir sind alle aufgefordert zu Hause zu bleiben! Das fordert auch viel von uns ab. Leider gibt es immer noch Unverbesserliche, die die Regeln noch nicht befolgen! Wir sehen in anderen Ländern, dass zögerliches Handeln zu dramatischen Entwicklungen führt.

Prävention von häuslicher Gewalt

Ich mache mir aber auch Sorgen in dieser Ausnahmezeit. Nicht jeder von uns kann die Zeit zu Hause in einem geräumigen Haus mit Garten verbringen – was auch schon eine Herausforderung darstellt. Doch was ist mit den vielen Menschen, die auf engstem Raum leben, auch ohne Balkon oder Möglichkeit Zeit nur für sich selbst zu verbringen? Ich mache mir große Sorgen, dass Konflikte in der Familie zunehmen und es gar häufiger zu häuslicher Gewalt kommt. Hier leiden vor allem Frauen, aber gerade auch Kinder.

Hier brauchen wir zusätzliche Hilfe, denn unsere Ordnungskräfte und die Polizei müssen bereits jetzt größte Anstrengungen unternehmen, um die Einhaltung der bestehenden Regeln durchzusetzen. Es ist gut, dass die Kommunen Verwaltungsmitarbeitende einsetzen, die hier unterstützen können. Allerdings müssen auch diese geschützt werden! Da wo es möglich und notwendig ist, sollten Präventionsgespräche angeboten werden. Die Kommunen wissen, wo Familien in Brennpunkten leben und das Risiko der häuslichen Gewalt am höchsten ist. Ein Präventionsanruf, vielleicht auch ein Präventionsbesuch, dort wo es am nötigsten ist, kann helfen. Wir sollten wachsam sein und unsere Nachbarn unterstützen!

Telefonnetzwerke in der Nachbarschaft

Die Notwendikeit zu Hause zu bleiben ist aber auch Risiko für diejenigen, die alleine leben. Isolation ist für die psychische Gesundheit Gift und nur soziale Kontakte können helfen – jetzt wo soziale Distanz geboten ist. In Deutschalnd gibt es fast 17,3 Mio (Stand Juli 2019) „Ein-Personen-Haushalte“ – das sind über 40 % der Haushalte in Deutschland! Einsamkeit und Isolation können noch schlimmer sein als eine Erkrankung. Ich rufe alle Bürger und Bürgerinnen dazu auf, Telefonnetzwerke in der eigenen Nachbarschaft zu bilden. Rufen Sie ihre Nachbarn einmal an, fragen Sie wie es ihnen geht, wie sie die Krise durchstehen und ob sie sich gegenseitig unterstützen können. Wir haben Zeit einmal inne zu halten, aus dem Alltagsstress auszutreten und in unser direktes Umfeld zu schauen – wem kann ich helfen, wem kann ich beistehen, wer kann vielleicht sogar ein guter Freund werden? Die Krise zeigt den wahren Charakter eines Menschen. Ich bin überzeugt, dass wir in Deutschland Solidarität über Egoismus stellen und wir beweisen, dass wir diese Krise gemeinsam bewältigen können.

Eine neue Gesellschaft

Corona wird unsere Gesellschaft verändern. Das hoffe ich sogar sehr! Es wäre unverzeihlich, wenn wir nach der Krise so weitermachen wie vorher. Nehmen wir uns die Zeit einmal darauf zu blicken, worauf es in ihrem Leben ankommt. Ist es das große Geld? Oder das teure Auto? Die bedingungslose Karriere nach oben oder das Haus im Grünen? Kommt es nicht mehr auf die Gesundheit an, auf die Familie, auf den Nachbarn, der Hilfe braucht oder auf den Fremden, der auch ein glückliches Leben führen will, den wir aber einfach noch nicht kennenlernen durften.
Wir werden gemeinsam eine neue Gesellschaft aufbauen, wir werden lernen und uns besinnen. Und das ist gut so.