Diskussion mit Mülheimer Sportbund

Gesundheit und Fitness sind essenziell wichtig für unsere Lebensqualität. Gerade in Corona-Zeiten muss ich mir als Kandidatin für das höchste Amt dieser Stadt daher die Frage stellen: Wie steht es um den Sport in Mülheim? Antworten auf diese Frage finde ich im Haus des Sports, das im letzten Jahr sein 100-jähriges Bestehen feierte. Von hier aus agiert der Mülheimer Sportbund (MSB) als unabhängige Gemeinschaft der Sportvereine, die ihren Sitz in Mülheim an der Ruhr haben. Durch die zahlreichen Mitglieder der Vereine stellt der MSB damit die größte Personenvereinigung Mülheims überhaupt dar.

Es sind viele gute Nachrichten, die mir der Wilfried Cleven als Vorstandsvorsitzender des MSB und „dienstältester Sportfunktionär Mülheims“ berichten kann. Die Mülheimer Sportvereine leisten hervorragende Arbeit in ihren Bereichen und engagieren sich stark für die Menschen. Die Vernetzung des MSB ist sehr gut. Die Auszeichnung der Luisenschule zum Sportgymnasium stärkt den Mülheimer Sport. Viele Projekte laufen oder sind in Planung, beispielsweise der Bau einer dritten Sporthalle und auch einer Tartanbahn. Die Finanzierung ist nicht immer leicht, doch kann der MSB bis 2022 aus Mitteln des Programms „Moderne Sportstätte 2022“ 2,3 Millionen Euro in Mülheimer Sportstätten investieren. Doch wo Licht ist, ist bekanntlich auch Schatten.

„Die Sportstätten in Mülheim haben dringenden Sanierungsbedarf“, berichtet Cleven, „Beantragt haben die Vereine 10,8 Millionen Euro. 2,3 sind nicht mehr als ein Zeichen.“ Dazu kommen weitere Sorgen und Nöte: „Corona hat uns überrascht. Die Lockerungen begrüßen wir daher sehr.“ Der Umgang mit der Corona-Krise lastet schwer auf den Vereinen. Zusätzlich zu bürokratischem Aufwand, der finanziell gerade für kleinere Vereine schwer zu stemmen ist. Der stellvertretende Vorsitzende Dr. Roland Chrobok hört häufig die gleichen Argumente von Vereinen „und ich verstehe diese auch sehr gut. Leider können wir selten eine andere Antwort geben, als dass die Finanzlage der Stadt schwierig ist.“

Innovative Ideen setzen sich dennoch durch. Das Projekt „Sport vor Ort“ spricht gezielt Kinder und Jugendliche in Schulen an und organisiert AGs, an denen sie für einen kleinen Betrag pro Einheit teilnehmen können. Vor Corona haben 400 Kinder pro Woche hiervon profitiert und das Konzept funktioniert. „Wir haben sogar schon eine AG auflösen können, weil alle Kinder und Jugendliche in den Verein gewechselt haben.“, kann Geschäftsführerin Nicole Nussbicker berichten. Auch der so genannte „Sportgutschein“, der eine einjährige kostenlose Mitgliedschaft in einem Verein anbietet, trägt seinen Teil dazu bei, die Mülheimer Jugend für Sport zu begeistern.

Während Mülheim im Hockey und Badminton bereits mehrere Olympia-Teilnehmer verzeichnen kann, wird im Schwimmen voraussichtlich auf absehbare Zeit kein Talent unsere Stadt repräsentieren. Das Friedrich-Wennmann-Bad ist in die Jahre gekommen, eine 50-Meter-Bahn findet man erst wieder in Essen und generell besitzt Mülheim zu wenige Wasserflächen. Dem Vorsitzenden des Jugendsports Thomas Libera kann ich daher nur zustimmen: „… für die Stadt am Fluss recht peinlich.“ Und wie von so vielen engagierten Mülheimer*innen, die mit der Verwaltung kooperieren, vernehme ich auch von ihm den Wunsch nach Verlässlichkeit und Sicherheit, denn „Kürzungen für Kultur und Sport sind fast immer absehbar.“

Nun, ich plane keine Kürzungen. Sport ist mir aus vielen Gründen sehr wichtig und ich werde mein Möglichstes tun, um den Sport in Mülheim zu fördern. Natürlich kann auch ich nicht mit der Gießkanne Euros ausschütten, aber zumindest kann ich stiften, was der stellvertretende Vorsitzende Frank Esser als Mangel ansieht: „… ein einheitlicher Gedanke, etwas für die Menschen in Mülheim zu tun – insbesondere im Sportbereich, aber auch in anderen Bereichen.“ Es wird keine leichte Aufgabe, die vielen Problemstellungen anzugehen, die die Vereine und den MSB beschäftigen. Wilfried Cleven und ich sind uns aber einig: Seitenlange Berichte darüber, warum etwas nicht geht, haben wir genug. Was wir wirklich brauchen, sind Ideen, wie es ermöglicht werden kann!