Unterwegs mit Mülheimer Landwirten

Der internationale Tag der biologischen Vielfalt war letztlich bloß eine Erinnerung im Kalender. Das Thema selbst sollte uns dauerhaft begleiten und insbesondere bei den Entscheidungsträger*innen auf allen Ebenen innerhalb unserer Gesellschaft berücksichtigt werden. Zu diesen gehören in dieser Hinsicht auch Landwirt*innen, deren Umgang mit Grund und Boden sich massiv auf dessen Qualität und die des Grundwassers auswirken kann, je nachdem, wie sie wirtschaften. Ausbringung von Gülle, Glyphosat oder andere „Hilfsstoffe“ haben Insekten, Bienen und Vögeln, die allesamt unschätzbar wichtig für unser Ökosystem und für uns Menschen und das Klima sind, nachweislich dezimiert! Eine Millionen Arten sind schon verschwunden, auch durch den Klimawandel.

Es stimmt mich zuversichtlich von Landwirten wie Martin Siekerkotte (Mitglied des Vorstandes des rheinischen Landwirtschaftsverbands Kreis Bauernschaft RuhrGroßstädte) und Hermann Terjung zu erfahren, dass sie „möglichst im Kreislauf mit der Natur in 5-Felder-Wirtschaft und natürlich nach allen Regeln und Gesetzen“ produzieren. Sie erfüllen eine wichtige Aufgabe für die Menschen in Mülheim, die große Verantwortung birgt. Entsprechend macht es mich wütend, im gleichen Atemzug zu hören, dass sie (und damit auch die Umwelt) mit Problemen wie mit Plastik verseuchtem Kompost belastet werden.

Wir wollen einen hohen Anspruch an unsere landwirtschaftliche Versorgung im Sinne nachhaltigen Wirtschaftens haben. Das ist gut und richtig. Falsch wäre es, die Verantwortung hierfür allein bei den Landwirt*innen abzuladen. Unser aller Handeln ist gefragt, unser aller Verhalten entscheidend. Ob bei der Vergabe von landwirtschaftlichen Nutzflächen, der Umsetzung von Landwirtschaftsformen oder dem Konsum landwirtschaftlicher Güter – der Gedanke an Erhalt und nachhaltige Nutzung biologischer Vielfalt muss stetig in unsere Entscheidungen mit einfließen. Leider ist es nämlich weder für die Landwirte noch für die Natur auskömmlich, wenn große Abnehmer immer weiter die Preise drücken, so dass sie sogar unter den Gestehungskosten sind. Einen Liter Milch kann man nicht für 28 Cent, ein Ei nicht für 5 Cent tier-, umwelt- und menschenfreundlich produzieren.