Lernen von Hamburg: Tschentscher und Griefahn zu kommunalem Klimaschutz

Am Freitag hatte ich Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher zu Gast in Mülheim an der Ruhr. Bei einer Versammlung von etwa 60 Bürgern in der Stadthalle besprachen wir das Thema unserer Zeit: den Klimaschutz. Die Frage lautete: Was kann kommunal angepackt werden, um einen Beitrag zum Schutz von Umwelt und Klima zu leisten?

„Man muss konkret werden!“, das ist die Devise mit der Peter Tschentscher nicht nur, aber vor allem Klimaschutz betreiben möchte. „Es hilft nicht, nur ein ehrgeiziges Ziel zu setzen, einen Zeitpunkt dafür zu bestimmen und sich dann mit den Worten ‚wir haben ja was gemacht‘ auszuruhen.“ Die Notwendigkeit konkreter Pläne kann ich nur bestätigen. Was ich mir für Mülheim wünsche, hat Tschentscher in Hamburg bereits auf den Weg gebracht.

Das Hamburger Stadtoberhaupt hat nicht nur auf einen Mobilitätsmix gesetzt, der das Fahrrad und den ÖPNV in den Mittelpunkt rückt. Das hilft dem Klima und kommt bei der Bevölkerung gut an. Auch die Wirtschaft hat Tschentscher nicht aus dem Blick genommen: „Schon heute kann in Hamburg Kupfer bereitgestellt werden, das mit halb so viel CO2 hergestellt ist wie in den USA oder in China “ Auch beim Stahl wünsche er sich solchen Fortschritt, um die Emissionen weiter zu senken. Klar ist auch, dass deutsche Produzenten sich spezialisieren müssen, um auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu bleiben.

Bis spätestens 2040, besser noch 2035, muss unsere Stadt klimaneutral oder sogar klimapositiv sein. Dafür forderte ich einen Mülheimer Klimaschutzplan nach Hamburger Vorbild:

Es braucht konkrete Pläne für energetische Stadtsanierung und eine ressourcen- und energieschonende Quartiersentwicklung in der Stadt.
Bürgerschaftliches Engagement für die Energiewende und den Klima- und Umweltschutz muss gezielt gefördert werden. Als lokales Erfolgsprojekt lässt sich auf das KlimaQuartier Broich verweisen.

Die Stadt benötigt ein ganzheitliches Verkehrskonzept, das den Umstieg vom Auto auf klimaschonende Mobilitätsformen im ÖPNV und auf dem Fahrrad attraktiver gestaltet. Wo immer möglich soll die Stadt zudem Flächen und Gebäude nach dem klimapositiven Prinzip „Cradle to Cradle“ gestalten. Das gilt besonders für die Entwicklung von Gewerbeflächen. So können Gewerbe, Artenschutz und Stadtklima in Einklang gebracht werden.

Wir fordern, Mülheim bis 2030 zur grünsten Stadt Deutschlands zu machen. Aktuell liegen wir deutschlandweit auf Platz 33 mit 73 % Grünflächenanteil. Wir wollen Siegen als grünste Stadt überholen. Dafür brauchen wir über 86 % Grünflächen in Mülheim! Hierfür setze ich auf die Entsiegelung von Flächen und ein Stadtentwicklungsprogramm „Urbanes Grün“ mit aktiver Aufforstung. Nicht zuletzt wird Mülheim mit mir als Oberbürgermeisterin seine weltweite Verantwortung als „Fairtrade Town“ wahrnehmen. Davon profitiert nicht nur der globale Süden, sondern auch das Klima.

Tschentscher machte uns Sozialdemokraten Mut: „Die SPD kann Wahlen gewinnen und vor allem kann sie regieren – immerhin hat sie darin über 150 Jahre Erfahrung. Umweltschutz war zudem immer ein zentrales Thema für mich persönlich und ich habe mich bereits auf allen Ebenen für ihn engagiert, als Greenpeace-Gründerin, als Umweltministerin und in der freien Wirtschaft. Ich will nicht nur Klimaschutz, ich kann ihn auch.

Peter Tschentscher und ich sind sich einig: „Klimaschutz darf kein negativ behaftetes Thema sein. Es ist ein Innovationsthema, ein Gewinnerthema, bei dem alle mitmachen können!“