Der Wirtschaftsstandort Mülheim an der Ruhr braucht den großen Wurf!

Die Wirtschaft in Mülheim an der Ruhr schwächelt, die Arbeitslosenzahlen sind – auch coronabedingt – gestiegen. Zugleich geht die endlos scheinende Diskussion um fehlende Gewerbeflächen nach dem Abgang von Interims-Wirtschaftsförderer Dr. Hendrik Dönnebrink in eine neue Runde. Entsprechend ernst wurde debattiert, als Monika Griefahn am 10. September 2020 zu ihrem letzten Runden Tisch vor der kommenden Kommunalwahl einlud. In einem waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig: Ohne grundlegende Veränderungen wird es in Mülheim an der Ruhr wirtschaftlich nicht aufwärts gehen.

Doch aufwärts gehen soll es unbedingt: Schließlich hat sich Griefahn vorgenommen, ihre Heimatstadt in vielerlei Hinsicht zu verändern. Insbesondere für die wirtschaftliche Zukunft hat sie bereits Pläne formuliert. “Mit meinen Netzwerken auf Bundes- und Landesebene will ich die erste Wirtschaftsförderin für Mülheim sein”, betonte sie. “Ich bin überzeugt davon, dass wir neue, moderne Unternehmen mit umweltfreundlicher Zukunftstechnologie in unsere Stadt holen können.” Sie führt dazu bereits Gespräche und ist überzeugt, dass in den kommenden Jahren tausende neue Arbeitsplätze entstehen können.

Eine Aussicht, die den anwesenden Vertretern der Mülheimer Wirtschaft durchaus gefiel. So sagte Klaus Hinsken (Geschäftsführer Wetec Systems GmbH): “Mülheim hat im Herzen des Ruhrgebiets und so nahe der Rheinschiene erhebliches Potenzial als Wirtschaftsstandort.” Als investitionswilliger Arbeitgeber habe er aber auch die Erfahrung gemacht, dass die Verwaltung oft nicht zielgerichtet handelt. “Da sitzen viele engagierte Menschen”, so Hinsken, “aber es fehlt eine ganzheitliche Strategie.”

Diesen Punkt unterstrich Dipl.-Ing. Martina Busch (GEOhaus – Haus der Geoinformation): Für die wirtschaftliche Entwicklung einer Kommune ist es von großem Wert, wenn sich die Ansprechpartner in der Stadtverwaltung als Partner der Unternehmen verstehen. “Wer ein Unternehmen gründen will, kennt nicht zwangsläufig alle verwaltungstechnischen Abläufe oder die in Frage kommenden Fördertöpfe. In vielen Kommunen werden Antragsteller daher beraten und unterstützt, weil ihr Erfolg auch der Erfolg der Stadt ist.”

Hanns-Peter Windfeder (Vorsitzender Unternehmerverband Mülheimer Wirtschaft) stimmte da zu. Ihm als Sprecher der Mülheimer Unternehmerschaft war es jedoch merklich wichtig festzuhalten, dass kleine Nachjustierungen keinen großen Wandel mit sich bringen werden: “Unsere Stadt hat erhebliche Probleme, die wir nur mit einem großen Wurf werden lösen können. Es braucht endlich ein Bekenntnis zur wirtschaftlichen Entwicklung, und eine zielgerichtete Strategie.” Zu oft wolle man im Mülheim alle Ziele gleichzeitig erreichen und erreiche so keines wirklich.

Monika Griefahn fragte interessiert nach und diskutierte angeregt mit. Sie will, dass ein Dezernat für Wirtschaft, Innovation und Zukunftsentwicklung im Rathaus neue Impulse gibt. “Ich glaube auch, dass es da viele fähige Menschen gibt, denen aber endlich eine schlüssige Strategie vermittelt werden muss”, so Griefahn.

Das alles wird aber nicht helfen, wenn keine neuen Flächen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung Mülheims zur Verfügung gestellt werden, wie Hanns-Peter Windfeder leidenschaftlich betonte: “Wir können derzeit noch nicht einmal 15 Prozent der interessierten Unternehmen überhaupt ein Angebot formulieren.” Auch Klaus Hinsken sieht das als großes Problem, und dass auch die Umnutzung einmal bebauter Flächen kein simpler Vorgang ist, erläuterte Dipl.-Ing. Martina Busch mehr als anschaulich.

Wie aber die Politik damit umgehen soll, wenn sich Mülheimer Bürgerinnen und Bürger gegen neues Gewerbe im Quartier organisieren, darüber wurde offen gesprochen. “Aber aus unserer Sicht muss Mülheim erst einmal wirtschaftlich wieder auf die Beine kommen”, so Windfeder. Es müsse eine Konsens unter Bürgern und Kommune geben, dass neue Arbeitsplätze und neue Einnahmen auch etwas getan werden müsse.

Monika Griefahn war nach der lebhaften Runde noch mehr angespornt: “Wir können ein positives Klima für Investitionen und neue Entwicklungen schaffen, wir müssen mit den Bürgern transparent diskutieren und die tatkräftigen Mitarbeiter in der Stadtverwaltung bei unseren Ideen mitnehmen”, stellte sie fest. “Diese Punkte will ich so schnell wie möglich angehen.”

Die Aufzeichnung der Diskussion können Sie sich hier ansehen. Aus technischen Gründen konnte die erste Minute nicht veröffentlicht werden.